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Wo ist denn eigentlich die Kindergärtnerin geblieben??

Warum bezeichnen wir eigentlich diejenigen Personen, die unsere Kinder in Krippen und Kitas betreuen als Erzieherinnen und Erzieher? Im Zusammenhang mit Kindern hat für mich der Begriff „erziehen“ einen seltsamen Beigeschmack. er-ziehen. Er-zieher. Er-zieherin. Dieses „ziehen“ ist es wohl, was mich irgendwie stört. Sollen die Kinder gezogen werden? Warum eigentlich? Und wohin überhaupt?

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Früher nannte man die Personen, die die Kinder in den Tagesstätten betreuten, es waren eigentlich immer Frauen, Kindergärtnerin. Der Begriff Kindergärtnerin klingt für mich so angenehm altmodisch. Ich assoziiere damit eine gewisse Behaglichkeit und Gemütlichkeit. Kindergärtnerinnen, so stelle ich es mir vor, bereiten den Kindern eine individuelle Umgebung, die auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes passt. Sie geben den Kindern, was sie brauchen, pflegen sie wie zarte Pflänzchen.

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So wie ein Gärtner: der kümmert sich behutsam um die winzig kleinen Triebe, um kleine Pflänzchen, die sich im Laufe der Zeit immer sicherer im Boden verwurzeln werden. Er beobachtet seine Pflanzen, hegt und pflegt sie, damit sie wachsen und gedeihen. Er gießt sie vorsichtig und schaut, dass die Bodenbeschaffenheit und der Standort einer Pflanze gut tun. Manche Pflanzen mögen es schattig, andere sonnig. Manche benötigen viel Wasser, andere wenig. Robustere Pflanzen trotzen Sturm und Hagel, etwas zartere lassen die Köpfe hängen, wenn es allzu windig wird und freuen sich über einen ruhigen Standort. Die Aufgabe des Gärtners ist, für jedes Pflänzchen die richtige Umgebung zu finden, damit sie sich gut entfalten kann, um eine großes, schönes Gewächs zu werden. Einige Blumen brauchen viel Hege und Pflege, andere wachsen und gedeihen ohne viel Zutun. Manche Blumen sind tief verwurzelt, stark und kräftig, andere sind klein, fein und filigran. Es gibt die Blumen, die in Massen beisammen stehen, andere benötigen mehr Raum für sich, um sich zu entwickeln, sie stehen lieber einzeln. Es gibt ganz kleine Blumen und sehr große, und beide Arten benötigen möglicherweise eine ähnliche Aufmerksamkeit und Pflege, obwohl sie sehr unterschiedlich erscheinen.

Sollte nicht die Erzieherin jedes Kind als kleine Blume betrachten und die Umgebung so vorbereiten, dass sie zur Entfaltung jedes einzelnen Kindes ideal ist? Selbst wenn sich Kinder im gleichen Alter befinden, so benötigen sie vielleicht dennoch unterschiedliche Umgebungen. Kinder, die viele Reize aus ihrer Umgebung wahrnehmen brauchen möglicherweise mehr Zeit und zwischendurch längere Ruhepausen als Kinder, die nur die für sie relevanten Umgebungsreize wahrnehmen und verarbeiten müssen. Schüchterne Kinder benötigen einen größeren Schutzraum als kleine Raufbolde und -boldinnen, die gerne körperliche Erfahrungen machen. Mache Kinder frieren leicht und sind auch im Sommer gerne langärmelig draußen unterwegs, während andere auch im Herbst keine Jacke anziehen wollen, weil sie genügend Wärme im Körper haben.

Während die Zeit vergeht und jedes Kind wie eine Blume seine individuelle Aufmerksamkeit bekommt, wächst es heran zu einem Menschen mit immer deutlicher erkennbaren Charakterzügen. Es kann sein, dass es einem Gänseblümchen gleicht, einer Sonnenblume, einer Lilie, einem Löwenzahn, einem Stiefmütterchen, einer Orchidee… Ganz gleich, zu welcher Art Blume es gedeiht, mit welchen Charakterzügen ein Kind daher kommt, es sollte im Kindergarten einen Platz vorfinden, an dem es sich wohl, sicher und geborgen fühlt, damit es Vertrauen entwickeln und sich tief verwurzeln kann in seinem Leben.

Ist da nicht diese hübsche, altmodische, Wärme ausstrahlende Bezeichnung Kindergärtnerin viel eher geeignet?

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4 Kommentare zu „Wo ist denn eigentlich die Kindergärtnerin geblieben??

  1. Der Artikel ist wunderschön geschrieben, aber…..
    Ich bin vom Beruf Pädagogin und eben keine Gärtnerin.
    Nichts gegen Gärtner.
    Diese sehen sicher ihre Blumen als ihre Kinder.
    Aber Gärtner /in ist Gärtner/in
    Pädagoge/in ist Pädagoge
    Wir sind mit allen anderen Pädagogischen Berufen gleichgestellt.
    Niemand würde einen Lehrer/in
    oder Sozialpädagogen und dergl. als Gärtnerin bezeichnen.

    Gefällt 1 Person

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